Nachbericht
Das war der 2. Österreichische Fußverkehrsgipfel und 17. Österreichische Radgipfel 2026
Vom 9. bis 11. September 2026 fand in Eisenstadt erstmals der gemeinsame Rad- und Fußverkehrsgipfel als dreitägige Konferenz statt. Unter dem Motto „Aktive Mobilität verbindet“ diskutierten über 600 Teilnehmende wie Radfahren und Zu-Fuß-Gehen lebenswerte Städte und Gemeinden schaffen können. Auf Grund der Nähe zu Ungarn hatte die Veranstaltung zudem einen internationalen und grenzüberschreitenden Schwerpunkt. Exkursionen und Fachvorträge mit Simultanübersetzung ermöglichten den Austausch von Erfahrungen und Lösungsansätzen über Ländergrenzen hinweg.
Internationale und lokale Perspektiven
Der erste Konferenztag stand ganz im Zeichen des Fußverkehrs. Internationale Keynotes aus Paris und Leipzig zeigten, wie Städte den öffentlichen Raum neu denken: Chiara Molinar, Fußverkehrsverantwortliche der Stadt Paris, und Friedemann Goerl, Fußverkehrsverantwortlicher der Stadt Leipzig, berichteten, wie aus Strategie tatsächliche Umsetzung wird. Robert Thaler, Impulsgeber der Fußgängerzone Eisenstadt, sowie Baudirektor Werner Fleischhacker und sein Vorgänger Gerhard Linortner präsentierten zentrale Meilensteine fürs Gutgehen in der „kleinsten Großstadt der Welt“ und rundeten Ihre Erfahrungen mit einem Stadtspaziergang durch Eisenstadt ab.
Alle Vorträge sind auf klimaaktiv mobil abrufbar.
Alle Wege beginnen zu Fuß
In den acht Parallelsessions ging es um fundierte Fußverkehrsplanung und deren Standards, wie Multimodalität im Alltag wirkt, wie Schulstraßen und verkehrsberuhigte Schulvorplätze das Zu-Fuß-Gehen der Kinder fördern, wie hochwertige Freiraumgestaltung Ortszentren beleben, Barrierefreiheit uns allen zugutekommt sowie Kommunikation für den Fußverkehr mehr Aufmerksamkeit schenkt. Im Projektkarussell „Was vor Ort wirkt“ präsentierten Gemeinden und Städte erfolgreiche Umsetzungsbeispiele: vom multifunktionalen Dorfplatz in Hittisau über Straßenumgestaltungen in Neufeld bis zu neuen Begegnungsräumen in Linz. Die Projekte zeigten, wie aktive Mobilität die Aufenthaltsqualität erhöht und Ortszentren belebt.
Auf Augenhöhe sein
Beim Workshop „Kindersicherheit auf Augenhöhe“ erlebten die Teilnehmenden mit dem K!SA-Periskop den Straßenraum aus der Perspektive eines Kindes. Mithilfe dieses Instruments lässt sich die Verkehrsumgebung auf Augenhöhe von Kindern wahrnehmen und bewerten. Es eignet sich ideal für Begehungen von Kreuzungen, Analysen des Schulumfelds oder Mobilitätsworkshops.
Möchten auch Sie einen solchen Spaziergang in Ihrer Gemeinde durchführen? In mehreren Bundesländern besteht die Möglichkeit, Periskope auszuleihen. Nähere Informationen finden Sie hier.
Grenzüberschreitende Exkursionen
Am ersten Konferenztag nahmen rund 15 Teilnehmer:innen an der Rad-Exkursion zum Gedenkpark „Paneuropäisches Picknick“ teil. Julia Kösternberger, Historikerin und Buchautorin sowie András Vissi, CEO der Scardobona Consulting Ltd. und Silvia Udwary, Verkehrsauskunft Österreich leiteten die Exkursion zum Gedenkpark nahe Sopron, der an Massenflucht von über 600 DDR-Bürger*innen am 19. August 1989 erinnert. Die Route ging am Rückweg über den EuroVelo 13. Ein starker Regenschauer überraschte die Gruppe, der anschließende wunderschöne Regenbogen sorgte jedoch für einen stimmungsvollen und gelungenen Abschluss der Exkursion.
Am letzten Konferenztag führte András Vissi die Konferenzteilnehmer:innen mit der Bahn nach Sopron. Dort gab er bei einem gemeinsamen Stadtspaziergang Einblicke in die historische Altstadt und spannende Beispiele für die Gestaltung des Rad- und Fußverkehrs sowie aktuelle Mobilitätsmaßnahmen der Stadt.
Rad- und Fußverkehr gemeinsam denken
Am zweiten Tag rückten Rad- und Fußverkehr erstmals gemeinsam in den Mittelpunkt – passend dazu startete er mit einer Exkursion zur neuen Schulstraße vor der Volksschule Eisenstadt. In der Session „Flexibel unterwegs – Multimodalität im Alltag“ betonte Helge Hillnhütter (NTNU) die enge Verbindung von öffentlichem Verkehr und Fußverkehr. Anna Mayerthaler (ÖBB) stellte die Plattform mobiview vor, die Mobilitätsdaten für bessere Entscheidungen nutzbar macht, und Judit Rab (Budapester Verkehrszentrum) präsentierte Budapests ersten Fußverkehrs-Masterplan.
In Parallelsessions wurden Themen wie Healthy Streets, Kinder- und Jugendmobilität sowie Daten und Monitoring behandelt. Eine Diskussionsrunde zeigte anhand von Beispielen aus mehreren Städten, wie attraktive und konfliktarme Räume für Rad- und Fußverkehr gestaltet werden können. Beim Speed-Dating kamen die Teilnehmenden direkt mit Projektverantwortlichen ins Gespräch.
Einen besonderen Perspektivenwechsel ermöglichte ein interaktives Planspiel zur inklusiven Mobilität: Die Teilnehmenden analysierten den öffentlichen Raum aus unterschiedlichen Blickwinkeln, identifizierten Barrieren und entwickelten praxisnahe Lösungsvorschläge.
Fußverkehrs-Award für herausragende Projekte
Ein Höhepunkt des Tages war die klimaaktiv mobil Auszeichnungsveranstaltung: Bundesminister Peter Hanke (BMIMI) zeichnete gemeinsam mit Vertreter:innen von Wirtschaftskammer, Städtebund und Gemeindebund neue klimaaktiv mobil Projektpartner für innovative Projekte im Rad- und Fußverkehr aus und verlieh den Fußverkehrs-Award 2026. Das Land Burgenland wurde für den Masterplan „Burgenland zu Fuß“, das Land Salzburg und Salzburger Verkehrsverbund für das Guest Mobility Ticket sowie die Stadt Wien, für die 23 Masterpläne Gehen mit dem Sonderpreis „Pionier im Fußverkehr“ ausgezeichnet.
Die Award-Preisträger auf einen Blick
- Tulln an der Donau (Niederösterreich) – Tempo 30 in Wohngebieten, Umgestaltung Tullner Hauptplatz, Aufwertung der Donaulände sowie die Umgestaltung des Nibelungenplatzes
- Traiskirchen (Niederösterreich) – Neugestaltung der Otto-Glöckel-Straße
- Linz (Oberösterreich) – Entsiegelung des Martin-Luther-Platzes und durch Schaffung des „Salon unter Bäumen“ sowie Begegnungszone Johann-Konrad-Straße, Fußgängerzone im Bereich Schulzentrum Lindfeld
- Fehring (Steiermark) – klimafitte Ortsgestaltung und bessere Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr
- Gamlitz (Steiermark) – Zukunftskonzept „Gamlitz 2030+“
- Wörgl (Tirol) – Neugestaltung der Begegnungszone Bahnhofsstraße
- Göfis (Vorarlberg) – Aufwertung des Ortskerns durch Umgestaltung, kommunale Gehwegkonzept
- Feldkirch (Vorarlberg) – Fußverkehrsorientierter Mobilitätsknoten Tosters, Schulstandort Altenstadt weitgehend autofrei, Strategische Sicherung des Fußwegenetzes über das Straßen- und Wegekonzept
- Hittisau (Vorarlberg) – Pop.up.Dorfplatz
- Eisenstadt (Burgenland) – Umgestaltung Mattersburgerstraße, Schulstraße VS Eisenstadt, Kalvarienbergplatz, Masterplan Gehen
Rad- und Fußverkehrskonferenz in Eisenstadt sichtbar machen
Der zweite Konferenztag fand seinen Ausklang mit einer großen Radparade und einer anschließenden Fußparade durch Eisenstadt. Rund 30 Teilnehmer:innen beteiligten sich dabei an einem „Space Walk“ und sorgten für einen besonderen Hingucker im öffentlichen Raum.
Vielfältige Möglichkeiten zur Vernetzung boten nicht nur die Konferenzpausen, sondern auch die beiden Abendveranstaltungen. Diese fanden in stimmungsvollem Ambiente statt und wurden von regionalen Musiker:innen begleitet.
Ein weiteres Highlight war die öffentliche Keynote von Hans-Peter Hutter und Lisbeth Weitensfelder von der Medizinischen Universität Wien. Zu diesem Programmpunkt war auch die Eisenstädter Bevölkerung eingeladen und konnte sich aktiv an der Veranstaltung beteiligen.
Ausblick: Nächster Gipfel in Villach
Zum Abschluss wurde die Gastgeberrolle feierlich an Kärnten und Villach übergeben. Der nächste Rad- und Fußverkehrsgipfel 2027 findet vom 22.–24. Juni 2027 gemeinsam statt.
Spezieller Dank für die besondere Unterstützung geht an den Österreichischen Städtebund und Nextbike.
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